ERBKRANKHEITEN und KRANKHEITEN

MIT ERBLICHER DISPOSITION

 

ZUR TERMINOLOGIE

ERBKRANKHEITEN sind Erkrankungen, für deren Entstehung krankhaft veränderte Erbanlagen eine entscheidende Rolle spielen und die nach den Mendelschen Gesetzen auf die Nachkommen vererbt werden.

Von ERBLICHER DISPOSITION spricht man, wenn eine vererbte erhöhte Krankheitsbereitschaft, eine erhöhte Anfälligkeit des Organismus für Erkrankungen besteht.

Hier sollen nur einige Krankheiten angesprochen werden die auch beim Fila Brasileiro vorkommen KÖNNEN. Selbstverständlich muß nicht jeder Vertreter unserer Rasse betroffen sein, aber grundsätzlich haben fast alle "große Hunderassen" auch ähnliche Probleme.

EPULIS: Zahnfleischgeschwulst, gutartige Wucherungen des Periodontes. Ursache unbekannt, nach chirurgischer Entfernung häufig Rezidive. Eine erbliche Prädisposition wird vermutet. Bei gehäuften familiären Auftreten an Selektionsmaßnahmen denken.

EKTROPIUM: Auswärtsdrehung des unteren Lidrandes. Es kommt zu Tränenfluß und Konjunktivitis (Bindehautentzündung des Auges). Oft bei Hunden mit reichlicher, verschieblicher Kopfhaut. Die Korrektur erfolgt chirurgisch, Züchter sollten auf gute Hautqualität selektieren.

OTITIS EXTERNA: Entzündung des äußeren Gehörganges. Prädisponierende Faktoren sind tief angesetzter Behang, Faltenbildung am Kopf sowie einige Umweltfaktoren wie z.B. Ohrmilben, Fremdkörper, Verletzungen des Gehörganges, Allergien (bes. Futtermittelallergie), sowie unsachgemäße Reinigung. Es besteht eine Disposition auf polygener Grundlage.

AORTENSTENOSE: Oft diagnostizierte Herz-Gefäß-Mißbildung. Meist liegt die Stenose (Verengung) dicht unterhalb der Aortenklappe (Subaortenstenose). Da das linke Herz vermehrt gegen die Verengung anpumpen muß, kommt es zu einer Linksherzvergrößerung. Merkmalträger dürfen nicht zur Zucht verwendet werden.

PULMONALSTENOSE: Hier liegt das Problem auf der rechten Seite des Herzens, die rechte Kammer entwickelt eine Hypertrophie (Vergrößerung). Betroffene Hunde sind von der Zucht auszuschließen.

KOMPRESSIONSSYNDROM DER KAUDALEN HALSWIRBELSÄULE (CANINE WOBBLER-SYNDROM): Ursache sind mehrere Faktoren wie Wirbelkanalverengung im Bereich der Halswirbelsäule, erhöhte gegenseitige Verschieblichkeit der Wirbeln, Exostosenbildung (Knochenauswuchs) an Wirbelkörpern. Befallen sind relativ junge Hunde, anfängliche Mühe beim Aufstehen steigert sich zur deutlichen Nachhandschwäche. Die Prognose ist meist zweifelhaft, ätiologisch werden überreiche Fütterung, rasches Wachstum und eine genetische Disposition vermutet. In Deutschland gab es in den letzten Jahren einige Fälle beim Fila, die aber meines Wissens alle auf einen Rüden zurückzuführen waren.

HÜFTGELENKSDYSPLASIE (HD): Ist eine komplexe und multifaktorelle Erkrankung des Hüftgelenks. Ein oder mehrere Gene, in denen Erbinformationen über die HD festgelegt sind, konnten bis dato nicht gefunden werden. Eine selektive Züchtung mit HD-FREIEN Hunden führt zwar nachweislich zu einer Verringerung der Inzidenz (Rate neu Erkrankter in einem definierten Zeitraum), kann die Erkrankung aber nicht eliminieren.

ELLBOGENGELENKDYSPLASIE (ED): Unter der ED werden verschiedene Krankheitsbilder zusammengefaßt, die das Ellenbogengelenk betreffen: OCD, Processus anconaeus isolatus, fragmentierter Processus Coronoideus medialis (FPC) u.a.. Sie alle können als Erbumwelterkrankungen aufgefaßt werden. Prädispositionen dafür werden polygen vererbt. Durch Anpaarung von Hunden ohne ED konnte die Häufigkeit (ähnlich wie bei der HD) herabgesetzt werden. Beim FPC kommt es durch unterschiedliches Längenwachstum von Ulna (Elle) und Radius (Speiche) zu einer Stufenbildung im Ellbogengelenk. Auftreten meist im Alter von 4 bis 12 Monaten. Beim isolierten Processus anconaeus kommt es nicht zur Vereinigung des Processus anconaeus mit der Ulna, was wiederum zu arthrotischen Veränderungen führt.

OSTEOCHONDROSIS DISSECANS (OCD): Die OCD stellt eine enchondrale Ossifikationsstörung (Störung der normalen Knorpelbildung) dar. Es kommt zu Entzündungsreaktionen und ev. zur Ablösung von Knorpelschuppen. Genetische Disposition ist nachgewiesen. Die OCD betrifft oft das Schulter- oder Ellenbogengelenk kann jedoch auch am Knie- und am Sprunggelenk auftreten. Betroffene Hunde sollten nicht in der Zucht eingesetzt werden.

MAGENDREHUNG: Kommt beim Fila sehr häufig vor. In einzelnen Linien ist ein gehäuftes Auftreten in sehr jungen Jahren (unter 2 Jahren) zu beobachten. Meist jedoch tritt sie erst im späteren Lebensalter auf, was prophylaktische Maßnahmen sehr schwierig macht. Keinesfalls sollten Hunde die bereits eine Magendrehung hatten in der Zucht eingesetzt werden. Auch Filas die auffallend viele Vorfahren oder Nachkommen mit Magendrehung haben, sollten aus der Zucht genommen werden. Die auslösende Ursache der Drehung ist nicht bekannt. Hunde unbedingt mehrmals täglich füttern und bei den ersten Symptomen (Unruhe, Würgen, starkes Speicheln, Hecheln, aufgetriebener Bauch) rasch zu einem erfahrenen Tierarzt.

 

 

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